Königdorfer Literaturforum

Laptop und Bücher© iStockPhoto / elenaleonova

Diskussionen für Querdenker, spannende Referentinnen und Referenten, Texte zu aktuellen politischen, sozialen und religiösen Fragen, dazu noch eine musikalische Begleitung auf hohem Niveau – all das bietet das Königsdorfer Literaturforum.

Das Literaturforum wird seit über zehn Jahren vom Königsdorfer Journalisten Jürgen Streich organisiert. Es begann mit einer Lesung von Günther Wallraff, der im Sommer 2014 zum Jubiläum wieder nach Königsdorf kam und für ein volles Haus sorgte.

In der Regel findet das Literaturforum vier Mal im Jahr statt.

 

Königsdorfer Literaturforum mit Frank Überall am 30. Januar 2020

Über Hilfe unter Freunden, Klüngel, Filz und Korruption – und die Grenzen dazwischen

Frank Überall, aus dem WDR bekannter Radio- und Fernsehjournalist, Kabarettist, Journalistik-Professor und Vorsitzender des Deutschen Journalistenverbandes (DJV), hat im Jahr 2007 über den „kölschen Klüngel“ promoviert. Er befasst sich seither mit diesem Phänomen in all seinen Ausprägungen von legitimer Freundes- und Nachbarschaftshilfe über Grauzonen bis hin zu teils schwerkrimineller Korruption. Aus aktuellem Anlass referiert er hierzu am Donnerstag, dem 30. Januar 2020, um 20 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in Frechen-Königsdorf (Ecke Pfeilstraße/Franz-Lenders-Straße) beim „Königsdorfer Literaturforum“ und diskutiert mit dem Publikum.

Als am Abend des 11. Dezember 2019 zur besten Sendezeit in der ARD die Filmsatire „Der König von Köln“ mit unverkennbaren Bezügen zur Oppenheim-Esch-Affäre lief, erschien das manchen Verantwortlichen im Frechener Rathaus wie ein deutlicher Warnhinweis, waren doch am Vormittag desselben Tages erste Urteile des Kölner Landgerichtes im sogenannten Frechener Rathausskandal bekannt geworden. Das Gericht hatte wegen schwerer Korruption Freiheitsstrafen von mehreren Jahren gegen zwei Mitarbeiter eines von der Stadt Frechen mit der Sicherheit und dem Catering von Flüchtlingsunterkünften beauftragten Firma verhängt. Die Urteilsbegründung glich einer schallenden Ohrfeige: Im Laufe vieler Jahre hätten sich in der Stadtverwaltung Strukturen und Abläufe eingeschliffen, die der Korruption geradezu den Weg ebneten. Außerdem werde kaum etwas dagegen unternommen. Mit anderen Worten: Das war noch nicht alles. Ein schlechtes Omen, denn die Staatsanwaltschaft Köln hat Anklage gegen Mitarbeiter der Stadt Frechen selbst erhoben, der entstandene Schaden wird mit 1,5 Millionen Euro beziffert.

Frank Überall befasst sich schon lange intensiv mit Klüngel und Korruption und hat dazu die Bücher „Der Klüngel in der politischen Kultur Kölns“ und „Abgeschmiert – Wie Deutschland durch Korruption heruntergewirtschaftet wird“ veröffentlicht. Dabei ist ihm differenzierter Umgang mit dem Thema wichtig. So sei Klüngel keinesfalls ein rein kölsches Phänomen, es heiße anderswo nur anders. Doch die Kölner trügen es „wie eine Monstranz“ vor sich her. Außerdem gebe es positive Aspekte wie etwa Freundschafts- und Nachbarschaftshilfe, die bei der notwendigen Bekämpfung krimineller Korruption nicht einfach in denselben Topf geworfen und behindert oder gar unterbunden werden dürften. Es komme auf gesellschaftliche Ethik und deren praktische Umsetzung an.

Der Eintritt zu dem von dem Journalisten Jürgen Streich moderierten Abend ist wie immer frei, lediglich um freiwilligen „Austritt“ wird gebeten.